ainsi, oui, ainsi, et rien de plus

In sei­nem letz­ten Buch, La Cham­bre Clai­re (Die hel­le Kam­mer, 1980), beschreibt Roland Bart­hes zwei Aspek­te des Betrach­tens von Foto­gra­fi­en:

stu­di­um

Aus stu­di­um inter­es­sie­re ich mich für vie­le Pho­to­gra­phi­en, sei es, indem ich sie als Zeug­nis­se poli­ti­schen Gesche­hens auf­neh­me, sei es, indem ich sie als anschau­li­che His­to­ri­en­bil­der schät­ze: denn als Ange­hö­ri­ger einer Kul­tur (die­se Kon­no­ta­ti­on ist im Wort stu­di­um ent­hal­ten) habe ich teil an den Figu­ren, an den Mie­nen, an den Ges­ten, an den äus­se­ren For­men, an den Hand­lun­gen.

punc­tum

Das zwei­te Ele­ment durch­bricht (oder skan­diert) das stu­di­um. Dies­mal bin nicht ich es, der es auf­sucht (wohin­ge­gen ich das Feld des stu­di­um mit mei­nem sou­ve­rä­nen Bewusst­sein aus­stat­te), son­dern das Ele­ment selbst schiesst wie ein Pfeil aus sei­nem Zusam­men­hang her­vor, um mich zu durch­boh­ren. […] [D]as zwei­te Ele­ment, wel­ches das stu­di­um aus dem Gleich­ge­wicht bringt, möch­te ich daher punc­tum nen­nen; denn punc­tum, das meint auch: Stich, klei­nes Loch, klei­ner Fleck, klei­ner Schnitt – und Wurf der Wür­fel. Das punc­tum einer Pho­to­gra­phie, das ist jenes zufäl­li­ge an ihr, das mich besticht (mich aber auch ver­wun­det, trifft). So getrof­fen, muss dem Betrach­ter die Spra­che ver­sa­gen: So ging ich die Pho­tos mei­ner Mut­ter durch, einer Spur fol­gend, die in die­sen Schrei mün­de­te, mit dem jede Spra­che endet: »Das ist es!« … ein jähes Erwa­chen, durch kei­ner­lei »Ähn­lich­keit« aus­ge­löst, […] die sel­te­ne, viel­leicht ein­zig­ar­ti­ge Evi­denz des »so, ja, so, und wei­ter nichts«.

Bart­hes, Roland. Die hel­le Kam­mer. Übers. Diet­rich Leu­be. Frank­furt: Suhr­kamp, 1989.

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