der aufbau des zerbrechlichen

Text und Regie: Samu­el Horn
Schau­spiel: Evi Amon und Jörn Behr

Büh­nen­bild: Tho­mas Wenz­ler-Horn
Musik: Bar­ba­ra Gescher
Licht: Kat­ja Win­ke

im Rah­men von „Der ande­re Weg“
Pro­duk­ti­on: c.t.201 / stu­dio­büh­ne­k­öln, 2009–2010

Zum Stück:

Deutsch­land, Mit­te der 1930er Jah­re. Für das jun­ge Ehe­paar Rhein­au herrscht Auf­bruch­stim­mung. Es scheint kei­ne Zeit zu blei­ben, die Situa­ti­on in Fra­ge zu stel­len; der Auf­bau eines gemein­sa­men Lebens ist – unter jeg­li­chen Umstän­den – ein anspruchs­vol­les und ver­letz­li­ches Unter­fan­gen. Doch liegt dem Mit­läu­fer­tum wirk­lich eine so ein­fa­che, klein­bür­ger­li­che Logik zugrun­de? Lässt sich das Pri­va­te über­haupt vom Poli­ti­schen tren­nen? Was unter­schei­det Ver­liebt­heit von Igno­ranz, Freu­de von Über­heb­lich­keit, Angst von Träg­heit? „Der Auf­bau des Zer­brech­li­chen“ begibt sich auf die Suche nach Ant­wor­ten.

Aus dem Pro­gramm­heft:

Das The­ma „Auf­bruch vor der Bar­ba­rei“ ließ mich als Ers­tes an mei­ne Groß­el­tern den­ken. Die einen waren bereits in den 20er Jah­ren auf­ge­bro­chen – in die Ehe, in die Erzie­hung ihrer vie­len Kin­der, in den Beruf, in die eige­nen vier Wän­de, kurz­um: in ein „ganz nor­ma­les Leben“. Die ande­ren waren jün­ger, mein Groß­va­ter schloss Mit­te der 30er Jah­re sein Stu­di­um ab. Wie gelang­ten sie in jene Bar­ba­rei – und wie gelang­te die Bar­ba­rei in ihr Leben?

Ich schlie­ße Anfang 2010 mein Stu­di­um ab, gut 70 Jah­re spä­ter. Ich fra­ge mich, wie damals eine sol­che Lebens­pha­se ver­lief. Wie war der All­tag – zum Bei­spiel wenn man ver­liebt war, einen fes­ten Beruf noch nicht gefun­den hat­te, die ers­te gemein­sa­me Woh­nung bezog? Wel­che Frei­hei­ten hat­te man, wel­chen Zwän­gen muss­te man sich beu­gen? Wel­chen Träu­men, wel­chen Zie­len folg­te man?

In den Pro­ben hol­ten wir den All­tag des Drit­ten Reichs – oder was wir dafür hal­ten – aus den Vitri­nen und ver­setz­ten ihn auf der Büh­ne in Bewe­gung. Eine schau­ri­ge Fund­gru­be tat sich auf. Die­ses Spiel war nicht immer ange­nehm; viel Geläch­ter war nötig, um die wider­sprüch­li­chen Gefüh­le unter Kon­trol­le zu hal­ten.

Die Musik Bar­ba­ra Geschers und die Licht­re­gie Kat­ja Win­kes haben uns man­ches Mal an der Rand der Geduld gebracht. Aller­dings haben sie uns – in ihrer Domi­nanz und auch in ihrer Wider­sprüch­lich­keit – für unser Spiel einen sta­bi­len Rah­men ver­schafft. Eine ähn­lich wider­sprüch­li­che Auf­ga­be scheint mir auch in der Ver­gan­gen­heit zu lie­gen: ein sorg­fäl­ti­ges, lie­be­vol­les Los­las­sen, in dem Abkehr und Auf­merk­sam­keit, Ent­sor­gung und Bewah­rung, ja selbst Abscheu und Hin­ga­be glei­cher­ma­ßen Platz fin­den.

Pres­se­stim­men:

Aber es folgt noch ein wei­te­rer Pau­ken­schlag mit Samu­el Horns selbst geschrie­be­nem und insze­nier­ten Dia­log ‚Der Auf­bau des Zer­brech­li­chen‘. Horn zeigt das All­täg­li­che, ein jun­ges Paar in den Jah­ren des Natio­nal­so­zia­lis­mus bei der Besich­ti­gung einer neu­en Woh­nung oder ein­fach in den Feri­en an der See. Gespens­tisch, wie die Nazi-Ideo­lo­gie ins Pri­va­te ein­dringt, zugleich anrüh­rend die Ver­su­che der klei­nen Leu­te, mit dem Unge­heu­er­li­chen umzu­ge­hen. Jörn Behr setzt iro­ni­sche Akzen­te als jun­ger Aka­de­mi­ker, und Evi Amon bril­liert als jun­ge, ver­stör­te Ehe­frau. Mit fas­zi­nie­ren­der Sen­si­bi­li­tät ver­mag sie die zahl­rei­chen Pau­sen, die Samu­el Horn mutig, aber tref­fend in den Text ein­lässt, zu gestal­ten. Die unheim­li­chen Momen­te der Musik fin­den hier fabel­haft Ein­gang in das irri­tie­ren­de Schwei­gen des jun­gen Paars.“
– Köl­ni­sche Rund­schau

Ein sehr deut­sches Paar … Die Balan­ce zwi­schen komi­schen Sprach- und Mimik­spie­len sowie gal­li­gem Ernst gelingt Evi Amon und Jörn Behr aus­ge­zeich­net.“
– Köl­ner Stadt­an­zei­ger

Die bei­den umgibt eine selt­sa­me, nai­ve Unschuld … Das Horn-Stück ist eine post­mo­der­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit der NS-Zeit … Eine Minia­tur-Gro­tes­ke mit abgrün­di­gem Charme.“
– aKT