DEUTSCHE AM STRAND

I was coun¬≠ting the bla¬≠des of grass,‚Ä® sag¬≠te er zur Ent¬≠schul¬≠di¬≠gung.
‚ÄĒ W. G. Sebald

Am Strand war von den Deut¬≠schen nichts zu sehen. Wir guck¬≠ten uns die Augen wund, mei¬≠ne Mut¬≠ter und ich; nichts. Mein Vater schleif¬≠te die blaue Ikea-Tasche hin¬≠ter sich her. Sie hin¬≠ter¬≠lie√ü eine tie¬≠fe Spur, in der sei¬≠ne Fu√ü¬≠ab¬≠dr√ľ¬≠cke ver¬≠schwan¬≠den. Mei¬≠ne Mut¬≠ter hat¬≠te nur Ziga¬≠ret¬≠ten und ein Feu¬≠er¬≠zeug dabei.

Der Sand war so hei√ü, dass mir die F√ľ√üe brann¬≠ten. Ich woll¬≠te mich dran gew√∂h¬≠nen, aber es ging nicht. Das Was¬≠ser war noch zu weit weg, nir¬≠gend¬≠wo eine Bank, nicht mal Fel¬≠sen. Ich h√ľpf¬≠te auf einem Bein und hielt die F√ľ√üe in der Luft, solang es ging.

¬ĽIch hab dir doch gesagt, du sollst die San¬≠da¬≠len anzie¬≠hen¬ę, sag¬≠te mei¬≠ne Mut¬≠ter. ¬ĽGeh mal hin¬≠ter dei¬≠nem Vater her.¬ę

In der Schleif¬≠spur war der Sand feucht und k√ľhl. Ich ging r√ľck¬≠w√§rts und guck¬≠te mei¬≠ner Mut¬≠ter zu. Sie hat¬≠te einen wei¬≠√üen Stroh¬≠hut und eine Pilo¬≠ten¬≠bril¬≠le auf, einen blau¬≠en Bade¬≠an¬≠zug an und ein rotes Sei¬≠den¬≠tuch als Rock um die H√ľf¬≠ten gewi¬≠ckelt. Sie dreh¬≠te sich aus dem Wind und mach¬≠te sich unter der Hand eine Ziga¬≠ret¬≠te an.

Mir stach etwas Har­tes in den Fuß. Es war eins mei­ner Autos, ein Jeep, den ich einem Freund geklaut hat­te. Er muss­te aus der Tasche gefal­len sein.

Mein Vater ging lang­sam mit dem schwe­ren Gepäck. Ich konn­te ja nicht vor­bei. An irgend­ei­ner Stel­le blieb er ste­hen, dreh­te sich zu uns und zuck­te mit den Schul­tern. Mei­ne Mut­ter nick­te. Ich zog mein Hemd aus und rann­te ins Was­ser.

Als ich zur√ľck¬≠kam, hat¬≠te mein Vater die Schir¬≠me und den Wind¬≠schutz auf¬≠ge¬≠stellt. Mei¬≠ne Mut¬≠ter sa√ü auf ihrem St√ľhl¬≠chen und rauch¬≠te. Ich leg¬≠te mich auf den Bauch und guck¬≠te in mei¬≠ne Arm¬≠beu¬≠ge, die aus¬≠sah wie ein Hin¬≠tern.

¬ĽKannst du uns von der H√ľt¬≠te ‚Äôn Eis holen?¬ę, frag¬≠te mei¬≠ne Mut¬≠ter.

Ich wuss¬≠te es nicht. Ich war noch nie allein zu der H√ľt¬≠te gegan¬≠gen. Mein Vater zog einen Schein aus der Tasche.

¬ĽDen Rest kanns¬≠te dir nach¬≠her in die Spar¬≠do¬≠se tun.¬ę

Ich zog mein Hemd und die San¬≠da¬≠len an und mach¬≠te mich auf den Weg. Die H√ľt¬≠te stand am Ende des Strands auf einer Sand¬≠stein-klip¬≠pe. Der Stein war so weich, dass jeden Win¬≠ter ein paar Meter ins Meer fie¬≠len. Also bau¬≠ten sie die H√ľt¬≠te im Herbst ab und stell¬≠ten sie im Som¬≠mer wie¬≠der auf.

Vor der H√ľt¬≠te sa√üen M√§n¬≠ner an einem Plas¬≠tik¬≠tisch. Sie hat¬≠ten √ľber¬≠all schwarz-graue Haa¬≠re, auch auf dem R√ľcken und auf den Schul¬≠tern. Ein gro¬≠√üer d√ľn¬≠ner Jun¬≠ge, √§lter als ich, brach¬≠te H√ľhn¬≠chen und Frit¬≠ten raus. Einer der M√§n¬≠ner stand auf und ging zur n√§chs¬≠ten Pinie, zog sich die Bade¬≠ho¬≠se run¬≠ter und pin¬≠kel¬≠te an den Baum. Der Jun¬≠ge sag¬≠te was, und die M√§n¬≠ner br√ľll¬≠ten vor Lachen.

Erst kam ich nicht vor¬≠bei. Einer hielt mich auf und frag¬≠te mich was und lach¬≠te √ľber mich. Ein ande¬≠rer ging mir durch die Haa¬≠re und fass¬≠te mir an die Nase. Dann lie¬≠√üen sie mich durch.

Der alte schwar¬≠ze Mann hin¬≠ter dem Tre¬≠sen grins¬≠te mich an. Sein eines Auge war tr√ľ¬≠be, und er hat¬≠te fast kei¬≠ne Z√§h¬≠ne. Er rief mir was zu, immer wie¬≠der, und wink¬≠te mich r√ľber. Ich blieb ste¬≠hen. Eine Frau kam aus dem Hin¬≠ter¬≠zim¬≠mer und scheuch¬≠te den Alten weg. Sie sah aus wie Cleo¬≠pa¬≠tra. Vor ihr hat¬≠te ich kei¬≠ne Angst.

Als ich mein Eis auf hat¬≠te, leck¬≠te ich das Papier ab und sam¬≠mel¬≠te die Kr√ľ¬≠mel vom Strand¬≠tuch. Dann guck¬≠te ich aufs Meer. Mei¬≠ne Mut¬≠ter rauch¬≠te noch eine. Mein Vater fing lei¬≠se an zu schnar¬≠chen. Ich lie√ü mir Sand durch die Fin¬≠ger rie¬≠seln. Der Wind trock¬≠ne¬≠te mir den Schwei√ü von der Haut.

Ich ging n√§her ans Was¬≠ser, wo der Sand fest war, um mit mei¬≠nem Jeep zu spie¬≠len. Es war ein Safa¬≠ri-Jeep mit offe¬≠nem Ver¬≠deck und Gum¬≠mi¬≠r√§¬≠dern, nicht das bil¬≠li¬≠ge har¬≠te Plas¬≠tik, mit dem ich im Wohn¬≠zim¬≠mer den Boden rui¬≠niert hat¬≠te.

Ich war ein Gro√ü¬≠wild¬≠j√§¬≠ger, zum T√∂ten unter¬≠wegs in der Savan¬≠ne. Mein Erz¬≠feind, ein Gum¬≠mi¬≠ty¬≠ran¬≠no¬≠sau¬≠rus, war mir dicht auf den Fer¬≠sen. Die Kon¬≠fe¬≠renz der Tie¬≠re hat¬≠te ihn zu ihrem Besch√ľt¬≠zer gew√§hlt. Ich ras¬≠te auf einen tie¬≠fen Kra¬≠ter zu. Im letz¬≠ten Moment sprang ich aus dem fah¬≠ren¬≠den Auto, das √ľber die Klip¬≠pe in den Abgrund st√ľrz¬≠te. Mein Feind lief hin¬≠ter¬≠her und flog schrei¬≠end in die Tie¬≠fe, bis er auf dem Boden zer¬≠platz¬≠te.

Aus dem Augen¬≠win¬≠kel sah ich zwei klei¬≠ne Hun¬≠de in mei¬≠ne Rich¬≠tung st√ľr¬≠men. Ich guck¬≠te hoch und schnapp¬≠te nach Luft. Die Deut¬≠schen waren da. Ich nahm den Sau¬≠ri¬≠er und rann¬≠te zu mei¬≠nen Eltern.

¬ĽDie sind da¬ę, rief ich, ¬Ľdie sind da.¬ę

Mei¬≠ne Mut¬≠ter sah von ihrem Buch auf. Die Deut¬≠schen hiel¬≠ten genau vor uns, guck¬≠ten kurz r√ľber und fin¬≠gen an, ihren Bol¬≠ler¬≠wa¬≠gen aus¬≠zu¬≠pa¬≠cken.

¬ĽSol¬≠len wir was sagen?¬ę, frag¬≠te mein Vater.

¬ĽGenau in unse¬≠rer Sicht¬ę, sag¬≠te mei¬≠ne Mut¬≠ter.

Zah¬≠len¬≠m√§¬≠√üig waren wir unter¬≠le¬≠gen. Die Deut¬≠schen hat¬≠ten zwei Kin¬≠der, einen Jun¬≠gen und ein M√§d¬≠chen, bei¬≠de √§lter als ich, und die zwei Hun¬≠de. Die Kin¬≠der hat¬≠ten bei¬≠de neon¬≠gelb an. Statt Son¬≠nen¬≠schir¬≠men hat¬≠ten sie einen Pavil¬≠lon. Der Vater gab Anwei¬≠sun¬≠gen, und alle fass¬≠ten mit an. Sie steck¬≠ten Roh¬≠re zusam¬≠men und zogen eine Pla¬≠ne auf. Mei¬≠ne Mut¬≠ter mach¬≠te sich wie¬≠der eine an.

Das deut¬≠sche M√§d¬≠chen schlug ein Rad und lan¬≠de¬≠te auf ihrem Bru¬≠der, der sie lachend und krei¬≠schend in unse¬≠re Rich¬≠tung jag¬≠te. Sie stol¬≠per¬≠ten auf unse¬≠re Strand¬≠t√ľ¬≠cher und mach¬≠ten alles voll Sand. Wir guck¬≠ten sie an, und sie √§rger¬≠ten sich, dass wir im Weg waren. Dann rann¬≠ten sie weg mit ihren Hun¬≠den.

Die deut¬≠schen Eltern zogen sich aus. Der Vater war sport¬≠lich und hat¬≠te eine sehr knap¬≠pe Bade¬≠ho¬≠se drun¬≠ter. Die Mut¬≠ter war ein biss¬≠chen dick. Sie √∂ff¬≠ne¬≠te das Ober¬≠teil, er schmier¬≠te ihr den R√ľcken mit Son¬≠nen¬≠milch ein. Dann guck¬≠te sie sich um und leg¬≠te das Ober¬≠teil zur Sei¬≠te.

Die Kin¬≠der lie¬≠fen allen √ľber die Hand¬≠t√ľ¬≠cher und mach¬≠ten √ľber¬≠all Pur¬≠zel¬≠baum und Hand¬≠stand. Der deut¬≠sche Vater ver¬≠such¬≠te, eine Ziga¬≠ret¬≠te anzu¬≠ma¬≠chen, aber sein Feu¬≠er¬≠zeug ging nicht. Er stand auf und zog sich die Hose zurecht. Ich konn¬≠te deut¬≠lich alles sehen. Er kam zu uns r√ľber.

¬Ľ‚ÄôTschul¬≠di¬≠gung,¬ę sag¬≠te er, ¬Ľich mein‚Äô ich h√§tt‚Äô Sie rau¬≠chen sehen. Kann ich mal ihr Feu¬≠er¬≠zeug benut¬≠zen?¬ę

Mei­ne Mut­ter gab ihm das Feu­er­zeug.

¬ĽSind sie auch aus Nord¬≠rhein-West¬≠fa¬≠len?¬ę, frag¬≠te mein Vater.

¬ĽJa, urspr√ľng¬≠lich schon. H√∂rt man das noch?¬ę

¬ĽEin biss¬≠chen.¬ę

¬ĽIch wohn‚Äô schon so lan¬≠ge im Nor¬≠den. Wir ham ja auch so fr√ľh Feri¬≠en dies‚Äô Jahr.¬ę

Mein Vater l√§chel¬≠te. Der deut¬≠sche Vater blieb ste¬≠hen und f√ľhl¬≠te den Stoff an unse¬≠rem Wind¬≠schutz. Mei¬≠ne Mut¬≠ter fing wie¬≠der an zu lesen.

¬ĽNa gut, vie¬≠len Dank. Ich komm dann sp√§¬≠ter noch mal.¬ę

Der deut¬≠sche Vater ging zur√ľck zu sei¬≠ner Frau. Die nack¬≠ten Br√ľs¬≠te hin¬≠gen ihr zur Sei¬≠te weg und lagen ihr auf den Ober¬≠ar¬≠men.

Auf ein¬≠mal wur¬≠de mir klar, dass ich den Jeep ver¬≠ges¬≠sen hat¬≠te. Er muss¬≠te noch immer in dem Kra¬≠ter lie¬≠gen. Ich lief zum Was¬≠ser, aber das Loch war weg. Das Meer war ange¬≠stie¬≠gen und hat¬≠te alles weg¬≠ge¬≠sp√ľlt. Alles sah gleich aus. Ich bud¬≠del¬≠te hier und da, drei, vier, f√ľnf L√∂cher; nichts. Ich stol¬≠per¬≠te auf und ab und schau¬≠fel¬≠te √ľber¬≠all rum. Die Flut kam immer h√∂her. Ich br√ľll¬≠te das Was¬≠ser an.

¬ĽWas machst du denn da?¬ę, sag¬≠te mei¬≠ne Mut¬≠ter.

¬ĽMein Jeep.¬ę

¬ĽWas ist damit?¬ę

¬ĽDer ist weg.¬ę

¬ĽWir holen dir was Neu¬≠es.¬ę

Ich dreh¬≠te mich um. Der Strand war schon fast leer. Mei¬≠ne Mut¬≠ter stand mit den F√ľ√üen im Was¬≠ser, in der einen Hand die Schach¬≠tel und das Feu¬≠er, in der ande¬≠ren die bren¬≠nen¬≠de Ziga¬≠ret¬≠te. Sie hat¬≠te ihren Hut und die Pilo¬≠ten¬≠bril¬≠le auf und das Sei¬≠den¬≠tuch wie¬≠der um die H√ľf¬≠ten gewi¬≠ckelt. Mein Vater war schon los¬≠ge¬≠gan¬≠gen und schleif¬≠te das Gep√§ck in Rich¬≠tung Park¬≠platz. Die blaue Ikea-Tasche leuch¬≠te¬≠te auf dem Sand.

POLNISCHER ABGANG

Bar¬≠ba¬≠ra am Strand, den R√ľcken zu mir, den Hin¬≠tern aus¬≠ge¬≠stellt, die H√§n¬≠de auf den H√ľf¬≠ten, den Blick in Rich¬≠tung Son¬≠nen¬≠un¬≠ter¬≠gang. Trot¬≠zend, aber still. Eine dunk¬≠le Fl√§¬≠che, hin¬≠ter der die Son¬≠ne her¬≠vor¬≠strahlt. Ich sehe nur, dass ihr auf der lin¬≠ken Backe der Stoff ver¬≠rutscht ist. Da klebt der Sand auf der Haut, der auch beim Duschen nie ganz weg¬≠geht, und der mir nach¬≠her zwi¬≠schen den Z√§h¬≠nen knirscht.

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WO BLEIBT DENN NUR JEAN-CLAUDE?

Am Nach¬≠mit¬≠tag fing es wie¬≠der an zu reg¬≠nen. Ich hat¬≠te das Gl√ľck, einen Zelt¬≠platz zu fin¬≠den, weit vom n√§chs¬≠ten Ort, ganz zu schwei¬≠gen von mei¬≠nem Tages¬≠ziel. Kein Mensch zu sehen, das Haus am Ein¬≠gang schien unbe¬≠wohnt, aber das Tor stand offen. Der gan¬≠ze Platz bestand aus einer Wie¬≠se und vier ver¬≠ram¬≠mel¬≠ten Block¬≠h√ľt¬≠ten. Im Wasch¬≠haus gab es aus¬≠schlie√ü¬≠lich Behin¬≠der¬≠ten¬≠toi¬≠let¬≠ten; in den rie¬≠si¬≠gen Dusch¬≠ka¬≠bi¬≠nen sam¬≠mel¬≠te sich das Laub.

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WIENER PLATZ

Wie die meis¬≠ten N√§ch¬≠te lag ich auf dem Futon und konn¬≠te nicht schla¬≠fen. Ich hat¬≠te irgend¬≠wo Gras her, und das Radio lief. Die Nacht¬≠tisch¬≠lam¬≠pe war gegen die Wand gerich¬≠tet. Einen Nacht¬≠tisch hat¬≠te ich nicht, die Lam¬≠pe stand auf dem Boden, neben dem Futon, der auch nur auf dem Boden lag, auf dem blau¬≠en Tep¬≠pich¬≠bo¬≠den. Drau¬≠√üen auf dem Platz fing einer an zu br√ľl¬≠len.

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DAS ROTE AUTO

Ers­tes Bild.

Ein son¬≠ni¬≠ger Herbst¬≠tag. Das gan¬≠ze Bild ist etwas schief. Links steht √ľber allem die Kir¬≠che, Schiff und Turm hal¬≠biert. Dar¬≠un¬≠ter die Land¬≠stra¬≠√üe, wo fr√ľ¬≠her der Hang wei¬≠ter¬≠ging. Eine Mau¬≠er st√ľtzt die Kan¬≠te, unge¬≠f√§hr ein¬≠sach¬≠t¬≠zig hoch. Mit¬≠ten¬≠drin f√ľhrt eine Trep¬≠pe hoch zur Kir¬≠che, dane¬≠ben geht die Mau¬≠er noch etwas wei¬≠ter, bis der rech¬≠te Bild¬≠rand sie abschnei¬≠det. Da h√§ngt noch ein hal¬≠bes gel¬≠bes Stra¬≠√üen¬≠schild, Bie¬≠le¬≠feld 15 km, an einem rot-wei¬≠√üen Gat¬≠ter, das an die Mau¬≠er geschraubt ist. Man k√∂nn¬≠te mei¬≠nen, das Gat¬≠ter lie¬≠√üe sich her¬≠um¬≠klap¬≠pen, um den Trep¬≠pen¬≠auf¬≠gang zu ver¬≠sper¬≠ren, zum Bei¬≠spiel bei einer Flut. Das ergibt nat√ľr¬≠lich gar kei¬≠nen Sinn, schon gar nicht in die¬≠ser Gegend. Nur von der Brei¬≠te k√∂nn¬≠te es pas¬≠sen. Im Vor¬≠der¬≠grund des Bil¬≠des ist nur noch die M√ľn¬≠dung einer Stra¬≠√üe zu sehen, die t‚ÄĎf√∂rmig auf die Land¬≠stra¬≠√üe trifft.

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KOTZE FUNGHI

Denn wo zwei oder drei ver­sam­melt sind in mei­nem Namen,
da bin ich mit­ten unter ihnen.
‚ÄĒ Mat¬≠th√§¬≠us 18,20

Der klei¬≠ne Patrick durf¬≠te nicht mit zum Strand. Schei¬≠√üe¬≠rei. Jetzt sitzt er bei uns im K√ľchen¬≠zelt. Behin¬≠dert in dem Sin¬≠ne ist er nicht, aber auch nicht so rich¬≠tig da. Zu klein f√ľr sein Alter, aber nicht klein¬≠w√ľch¬≠sig. L√∂st den gan¬≠zen Tag Sudo¬≠kus, aber wei√ü nicht, wie die Mona¬≠te hei¬≠√üen. Kein Fisch, kein Fleisch, der Jun¬≠ge. Dazu die dicken Lip¬≠pen, und immer quillt der Spei¬≠chel durch die schie¬≠fen Z√§h¬≠ne.

‚ÄúKOTZE FUNGHI‚ÄĚ wei¬≠ter¬≠le¬≠sen

AM ENDE FEHLEN VIER MINUTEN

Nur noch um die n√§chs¬≠te Ecke, dann muss ich zur√ľck; sie¬≠ben nach f√§hrt der Bus. Was sagt die Uhr? Zw√∂lf Minu¬≠ten. Was f√ľr ein Gesicht ‚Äď die muss ich unbe¬≠dingt krie¬≠gen. Hier in eins der H√§u¬≠ser ist die nicht, das h√§tt ich gese¬≠hen. Okay, wei¬≠ter. Elf Minu¬≠ten. Das geht schon, dann renn ich halt zur√ľck. Die muss hier lang sein!

War­um gibt’s hier so vie­le neue Autos, die Gegend sieht zum Kot­zen aus. Viel­leicht ist das der Trick: außen pfui, innen hui? Dach­te immer umge­kehrt. Obwohl, viel­leicht sind nur die Autos neu, und die Häu­ser am Ver­rot­ten?

Da vor¬≠ne, die Kreu¬≠zung, da hab ich mehr √úber¬≠blick. Die Bahn sieht aus wie nach der Wen¬≠de im Osten geklaut. Die T√ľren kannst du mit dem klei¬≠nen Fin¬≠ger ‚Äď da vor¬≠ne!, das blaue Kleid. Ich wuss¬≠te es. So, und jetzt sch√∂n war¬≠ten bei Rot. Sch√∂n war¬≠ten, bis ich da bin. Wer h√§lt denn da? Bestimmt der Freund. Auch so‚Äôn neu¬≠es Auto, wo haben die nur das Geld her? Nein, nicht ein¬≠stei¬≠gen da.

¬ĽExcu¬≠se me. EXCUSE ME!¬ę Ja sind die denn taub? ¬ĽPlea¬≠se wait. I‚Äôm a pho¬≠to¬≠gra¬≠pher.¬ę

Das darf doch nicht wahr sein, die paar Meter! Ja, guck blöd, Opa, du warst nicht gemeint.

¬ĽTaxi.¬ę Ach super, der kann mich danach wie¬≠der zum Bus fah¬≠ren. Zehn Minu¬≠ten. ¬ĽHi. Plea¬≠se fol¬≠low that car. Ha! I‚Äôve always wan¬≠ted to say that.¬ę

Komm lass gehen, die hau¬≠en uns ab. Ach so, im Vor¬≠aus, klar. Hier, die Hun¬≠der¬≠ter, die krieg ich vor dem Flug eh nicht mehr los. Ja, da geht‚Äôs auf ein¬≠mal. Ich m√ľss¬≠te Geld krie¬≠gen, bei dei¬≠nem Gestank. Wie der f√§hrt, mir ist schlecht. Mein Gott, ist das h√§ss¬≠lich hier. Ruhig mehr Bom¬≠ben drauf, aber erst, wenn ich weg bin. Neun Minu¬≠ten. Schaff ich. Wie¬≠so hal¬≠ten wir denn jetzt? Ach so, das Chris¬≠ten¬≠vier¬≠tel. Och Leu¬≠te, war¬≠um denn immer so schwie¬≠rig? Obwohl, war¬≠te mal, die haben da hin¬≠ten auch gehal¬≠ten. Sie steigt aus, seh ich das rich¬≠tig? Okay, jetzt schnell. Acht Minu¬≠ten.

¬ĽCan you wait? Just a few minu¬≠tes.¬ę

Ich lass den Kof­fer hier.

¬ĽExcu¬≠se me! HELLO!¬ę Ich glaub bald echt, die ist taub. Der Freund im Auto hat mich gese¬≠hen. Soll ich den ein¬≠fach fra¬≠gen? Ich geh erst mal hier in die Gas¬≠se. Das stinkt viel¬≠leicht, wie kann man nur so leben? Nach Fisch und Schei¬≠√üe. Wo geht‚Äôs denn jetzt wei¬≠ter? Die n√§chs¬≠te links w√§r gut, hier durch das Gat¬≠ter. Wenigs¬≠tens kann ich mal was sehen. Da hin¬≠ten vor dem Laden, viel¬≠leicht krieg ich sie ran¬≠ge¬≠zoomt? Nein, das bringt‚Äôs nicht. Ich w√ľrd so gern mal abbie¬≠gen.

Glo­cken?! Wo kommt das denn jetzt her? Bin ich schon so weit gelau­fen? Neun Uhr, also sie­ben Minu­ten. Da geht’s end­lich rum. Wie die mich angu­cken alle. Die dicken Mamas. Stin­ken gegen den Wind. Paar Stra­ßen wei­ter alles neue Autos, und ihr stapft hier durch die Kloa­ke. Aber wenn’s wie­der brennt, schön die Kin­der in die Kame­ra hal­ten.

Es hat kei¬≠nen Zweck, ich muss zur√ľck zum Taxi. Ach schei¬≠√üe Mensch, so kurz vorm Ziel. Sechs Minu¬≠ten. Ich w√ľrd ja mit‚Äôm Taxi bis zur Gren¬≠ze, schei√ü auf den Gestank. Aber das macht der nicht, nie¬≠mals, das Risi¬≠ko geht der nicht ein. Ich Arsch¬≠loch, war¬≠um bin ich nicht ges¬≠tern schon raus, mit den Fran¬≠zo¬≠sen?

Ist das der Typ hin­ter mir, der Freund? Wie kom­men die bloß an die neu­en Autos? Läuft der mir nach? Wo ist sie denn jetzt hin? Und die Kir­che. Da war doch so was wie ne Piaz­za, ich hab Tas­sen klap­pern hören.

F√ľnf Minu¬≠ten. Viel¬≠leicht kann ich den Bus mit dem Taxi ein¬≠ho¬≠len. Ob der noch mal die T√ľr auf¬≠macht? Ich glaub, das ist der hin¬≠ter mir. Komm, ich frag den ein¬≠fach, wo sie hin ist. Wie¬≠so hab ich denn jetzt so ne Angst? Ist doch alles gut. Ich bring dei¬≠ne Freun¬≠din gro√ü raus. Oder die Schwes¬≠ter, was wei√ü ich. So, hier noch mal um die Ecke ‚Ķ

Na end­lich! Mein Gott, bist du schön.

¬ĽHel¬≠lo. I‚Äôm sor¬≠ry. Do you speak Eng¬≠lish?¬ę

Komm, jetzt lächel doch mal. Macht der Typ mir da den Weg zu? Wo hab ich denn das Bar­geld hin?

¬ĽCan I take your pic¬≠tu¬≠re? I‚Äôm a pho¬≠to¬≠gra¬≠pher. From Ger¬≠ma¬≠ny.¬ę

Jetzt guck mich halt nicht so an. Der Bus macht bestimmt noch mal auf. War­um sagt sie denn nichts? Der Typ hat ’n Mes­ser. Ich mach das jetzt ein­fach. Sonst geb ich ihm halt die Han­dys, die Uhr… Ich glaub ich nehm ihn mit drauf: die Schö­ne und das Biest. Hof­fent­lich war­tet das Taxi. Vier Minu­ten.

ALLES MIT NACH OBEN

¬ĽGehet hin in Frie¬≠den.¬ę

Vie¬≠le von fr√ľ¬≠her sind da, nicken sich zu und pres¬≠sen die Lip¬≠pen auf¬≠ein¬≠an¬≠der.

¬ĽIst trotz¬≠dem sch√∂n, dich zu sehen.¬ę

¬ĽF√§hrst du noch mit nach oben?¬ę

¬ĽNimm mal die Klei¬≠ne.¬ę

¬ĽHast du noch Tem¬≠pos?¬ę

¬ĽDie Pre¬≠digt war gar nicht schlecht.¬ę

Die Leu¬≠te gehen in alle Rich¬≠tun¬≠gen weg. Es nie¬≠selt, Gl√§t¬≠te¬≠ge¬≠fahr. Wenn wir mit hoch wol¬≠len, m√ľs¬≠sen wir jetzt los. Ist das die Toch¬≠ter? Die hab ich seit zwan¬≠zig Jah¬≠ren nicht gese¬≠hen.

‚ÄúALLES MIT NACH OBEN‚ÄĚ wei¬≠ter¬≠le¬≠sen